Die Säulen der konservativen Adipositastherapie

Eine sogenannte konservative Adipositastherapie ist für übergewichtige Patienten mit einem BMI (Body Mass Index) von über  25 und bis unter 40 kg/m2 sinnvoll, die keine Operation anstreben oder keine Begleiterkrankungen haben, die dem entgegen stehen.

 Die Konservative Therapie  besteht aus

  • Ernährungsumstellung
  • Bewegungstherapie
  • Verhaltenstherapie.

 Man kann dies auch zusammenfassend als Lifestyleänderung beschreiben. Eine Ernährungsumstellung parallel mit einem intensiven Bewegungsprogramm verspricht guten Erfolg. I.d.R. geht dies etwas langsamer als mit einer Operation. Meist  muss die Zusammensetzung und Menge der aufgenommenen Nahrung verändert bzw. gesenkt und die Bewegung deutlich gesteigert werden. Das muss man üben, auch mit Hilfe von verhaltenstherapeutischen Ansätzen, um nicht zu schnell aufzugeben und in alte  Gewohnheiten,  z.B. in Stresssituationen, zurückzufallen. Zur Aufrechterhaltung der langfristigen Motivation kann daher eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein.

Das Therapeutenteam des Adipositaszentrums  Nordhessen bietet Ihnen dazu ein umfassendes Betreuungskonzept. Aus Einzelberatungen oder -therapien, Kursen, Vorträgen und Sport können Sie sich mit unserer Hilfe, ein erfolgversprechendes Programm zusammenstellen.

Ernährungsumstellung


Ernährungsumstellung – Das Wort klingt für viele Adipositas-Patienten unangenehm nach Verzicht, Disziplin und Freudlosigkeit. Denn es erinnerten an Diäten – und wahrscheinlich haben viele Übergewichtige wiederholt erlebt, dass nach einer Diät die Pfunde schneller zurückkehrten als sie verschwanden.

Eine Ernährungsumstellung hilft Ihnen dabei, den Jojo-Effekt zu besiegen. Und mehr: Im Dialog mit ausgebildeten Ernährungsberatern lernen Sie Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Ernährung umstellen – und das auch langfristig mit Genuss und Freunde.

Die Ernährungsberatung, genauer gesagt ihr Ziel, nämlich die Veränderung des Essverhaltens, ist in den allermeisten Fällen der Dreh- und Angelpunkt der Adipositasbehandlung. Und für die meisten Patienten mit Übergewicht zugleich die größte Hürde. Dennoch führt kein Weg an der Änderung des Essverhaltens vorbei: Der Körper darf nicht mehr Energie erhalten, als er verbraucht. Ohne Ernährungsumstellung bleiben alle anderen therapeutischen Maßnahmen letztlich wirkungslos.

Spezielle Ernährungsberatung nach bariatrischen Eingriffen

Nach einem bariatrischen Eingriff können zu große oder falsche Mahlzeiten die Gesundheit sogar kurzfristig akut gefährden. Eine gezielte Ernährungsberatung hilft, Komplikationen nach einem bariatrischen Eingriff zu vermeiden. Geschulte Ernährungsberater führen Sie nicht nur sicher durch die Flüssigphase und die Breiphase in den ersten Wochen nach der Operation. Sie begleiten Sie auch in der Zeit danach und zeigen, wie Sie Ihre Ernährungsumstellung am besten in den Griff bekommen – ohne Mangelerscheinungen oder Gefährdung des Operationsergebnisses.

Erste Tipps zum richtigen Essverhalten

Nur wenigen Menschen ist bewusst, dass eine bariatrische Operation auch eine Umstellung des Essens selbst erfordert. Solche Verhaltensregeln sind:

  • Regelmäßig essen (kleine, aber nicht zu viele Mahlzeiten)
  • Essen und Trinken zeitlich trennen, also nicht während und direkt nach den Mahlzeiten trinken
  • generell nur schluckweise trinken
  • langsam essen und gut kauen (etwa 15 Mal)
  • Mahlzeit beim ersten Anzeichen der Sättigung beenden
  • fettarme und eiweißreiche Lebensmittel bevorzugen
  • mit Tricks wie kleinem Teller und/oder kleinem Besteck arbeiten.

Ebenso wichtig wie die Ernährungsberatung ist die Bewegungstherapie.

Bewegungstherapie

Freude an Bewegung: Können Sie sich das vorstellen? Gemeinsam mit unseren Experten werden Sie entdecken, wie gut Bewegung tut. Dabei geht es nicht darum, körperliche Höchstleistungen zu erbringen. Im Mittelpunkt stehen der Spaß und ein an den individuellen Bedürfnissen und Leistungsfähigkeiten orientiertes Bewegungsprogramm.

Die Vorteile von Bewegung liegen auf der Hand. Bewegung verbraucht Energie – und ist damit ein zentrales Element, wenn Sie Ihr Gewicht abbauen oder halten möchten.

Bewegung hat einen nahezu umfassenden heilenden Aspekt. Durch den Aufbau von Muskulatur entlasten Sie beispielsweise Rücken und Gelenke. Außerdem wirkt Bewegung auf den Stoffwechsel. Ernährungsumstellung und Bewegung können nicht selten bewirken, dass zuckerkranke Patienten kein Insulin mehr benötigen. Die Aktivierung des Stoffwechsels und die Förderung der Beweglichkeit öffnen die Tür zu mehr Lebensqualität und besserer Gesundheit.

Schon 30 Minuten Bewegung am Tag senken nachweislich das Risiko für Bandscheibenprobleme, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Stoffwechselerkrankungen.

Verhaltenstherapie: Muster entdecken und verändern

Übergewicht entwickelt sich nicht von heute auf morgen. Die Pfunde kommen in einem – zuweilen jahrzehntelangen – Prozess, in dem Sie Erfolge und Misserfolge erlebt haben. In diesen Jahren haben sich oft Verhaltensmuster entwickelt, die einem langfristigen Erfolg gegen das Übergewicht im Wege stehen. Genau diese Muster können Sie in einer Verhaltenstherapie entdecken, analysieren und verändern.

Die erfolgreichste Methode zur Verhaltensumstellung in der Adipositasbehandlung ist die sogenannte Kognitive Verhaltenstherapie. In dieser Therapie geht es zunächst darum, das eigene Verhalten kritisch zu überprüfen. Typische Fragestellungen sind beispielsweise die nach den Gründen für übermäßiges Essen oder sozialen Rückzug. Im nächsten Schritt analysieren Sie gemeinsam mit Ihrem Therapeuten, welche Vor- und Nachteile Ihr Verhalten in den jeweiligen Situationen bringt. Dabei spielen neben sachlichen Argumenten vor allem Gefühle eine Rolle. Nicht wenige Übergewichtige nutzen die Traurigkeit über Angriffe ihrer Umwelt als Rechtfertigung für eine tröstende Mahlzeit. Zugegeben – dieses Beispiel klingt banal. Es gibt in der Verhaltenstherapie sehr viel mehr individuelle und weniger offensichtliche Zusammenhänge zu entdecken.

Im Anschluss an die kognitive Arbeit mit Mustern und Motivationen, geht es in der Verhaltenstherapie darum, neue Strategien zu entwickeln und praktisch umzusetzen.

Das wichtigste Kapital in der Adipositasbehandlung ist Ihre Motivation. Deshalb lernen Sie in der Verhaltenstherapie auch, wie Sie sich selbst für Erfolge sinnvoll belohnen.

Medikamentöse Therapie

Es gibt immer wieder Ansätze und Versuche einer medikamentösen Therapie der Adipositas - bisher allerdings ohne signifikanten und nachhaltigen Erfolg. Gewisse Erfolge konnte dagegen mit bestimmten Formula-Diäten erzielt werden, die allerdings nur in ausgesuchten Fällen und im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzeptes unter Umständen sinnvoll sind und die drei Säulen der Adipositastherapie lediglich ergänzen können – und auch das nur bei zielführender ärztlicher Begleitung.